Historische Karte des Monats: Oktober 01.10.2026 - Die ausgewählte Karte aus dem Archiv des BEV entführt in die Jahre nach 1880 und bietet einen Einblick in den Arbeitsweg eines Gendarmen.

Im Oktober stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen – BEV die Karte „Praktische Anleitung für den Gendarmen, woran er bei seinen gewöhnlichen Patrouillengängen im Terrain zu denken hat“ im Maßstab 1:12 500 erschienen nach dem Jahr 1880 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung von der Umgebung von Kritzendorf und Korneuburg.

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Besonderheiten der Karte

Die Karte dient als Arbeitsanleitung für Gendarmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf ihrem Patrouillengang. Dieser ist mittels roter Linien eingezeichnet, daneben befinden sich 20 nummerierte Punkte. Bei dieser Route war auch an zwei Stellen des Weges die Donau zu überqueren.

„Während der ganzen Patrouille“ sind acht Gesetze bzw. Vorschriften aufgelistet, die sich auf den Streckenverlauf beziehen. Unter „Bei den einzelnen Objekten“ ist die zu überprüfende Vorschrift inklusive Angabe des Gesetzes (abgekürzt) und des jeweiligen Paragraphen angeführt.

Die Zeichenerklärung ist sehr detailliert. Dabei werden teilweise heute nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke verwendet. Der Begriff „Fliegende Brücke“ entspricht den heutigen Rollfähren, bei denen die Strömung des zu überquerenden Flusses genützt wird. Weiters werden fünf verschiedene Arten von Mühlen unterschieden, ebenso wie drei Typen von Brücken nach ihrem Baumaterial. Zusätzlich zu den topographischen Gegebenheiten sind auch die Bezirkshauptmannschaftsgrenzen sowie der Sitz der Bezirkshauptmannschaft eingezeichnet.

Die Stadt Wien und deren Umland wurden in der Dritten Landesaufnahme nicht im üblichen Maßstab 1:25 000, sondern im größeren Maßstab 1:12 500 herausgegeben. Unterhalb der Karte befindet sich eine graphische Maßstabsleiste und die nummerische Maßstabangabe.

Obwohl auf der Karte selbst die Angabe einer Jahreszahl fehlt, ist aufgrund der eingezeichneten baulichen Gegebenheiten eine ungefähre Datierung möglich. Die beiden Eisenbahnlinien, die Kaiser Franz Josef-Bahn und die Nordwestbahn, wurden um das Jahr 1870 fertiggestellt. Herstellung und Druck wurden vom k. u. k. Militärgeographischen Institut ausgeführt. Anhand des Verlaufs der Donau im Vergleich mit der Darstellung in der Dritten Landesaufnahme (1871-1881), in der diese noch unreguliert ist, und einer späteren Ausgabe aus dem Jahr 1903 mit dem eingezeichneten Klosterneuburger Durchstich, lässt sich die Datierung auf diesen Zeitraum festlegen.

Historischer Kontext

Am 26. Oktober 1955 wurde das Bundesverfassungsgesetz über die österreichische Neutralität beschlossen. Ursprünglich wurde dieser Tag als „Tag der Fahne“ bezeichnet, seinen heutigen Namen „Nationalfeiertag“ erhielt er zehn Jahre danach. Erst seit 1967 wurde er ein gesetzlich arbeitsfreier Feiertag.

Unter Kaiser Franz Joseph I. wurde im Jahre 1849 die Gendarmerie gegründet, die als Teil des k. k. Heeres die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit gewährleisten sollte. Vor 150 Jahren kam es zur Ausgliederung aus dem Heer. In der I. Republik 1918 erfolgte die Umwandlung in einen zivilen Wachkörper. Nach dem 2. Weltkrieg gab es kein Militär wodurch die Gendarmerie die einzige bewaffnete Macht war. In den Jahren 1946 bis 1955 wurde die Grenzgendarmerie zur Grenzsicherung eingesetzt. Mit der Bildung eines neuen österreichweit einheitlichen Wachkörpers, der Bundespolizei, am 1. Juli 2005, wurde die Organisation der Gendarmerie aufgelöst.

Titel: Praktische Anleitung für den Gendarmen, woran er bei seinen gewöhnlichen Patrouillengängen im Terrain zu denken hat
Herausgeber: k. u. k. Militärgeographisches Institut
Maßstab: 1:12 500
Veröffentlichung: nach 1880​​​​​​​
Format: 638 x 437 mm

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