Historische Karte des Monats: Septmeber 01.09.2026 - Die ausgewählte Karte aus dem Archiv entführt in das Jahr 1857 und bietet einen Einblick in die historische Baugeschichte der Stadt Wien.

Im September stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen die Karte „Plan der Inneren Stadt Wien“ im Maßstab 1:4 000 aus dem Jahr 1957 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung von der Inneren Stadt Wien unmittelbar vor der Niederlegung der Basteien.

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Besonderheiten der Karte

Die historische Architektur der Inneren Stadt Wien um die Mitte des 19. Jahrhunderts ist der thematische Inhalt dieser Karte.

Die Karte wurde ursprünglich vom K. K. Kataster in den Jahren 1846 und insbesondere 1857 aufgenommen. Der Originalmaßstab beträgt 1:1 440. Im Jahre 1957 wurde die Karte für diese adaptierte Ausgabe auf den Maßstab 1:4 000 vergrößert und erneut bearbeitet, indem die unterschiedlichen Bauepochen farblich hervorgehoben wurden. Am unteren Rand sind die nummerische Maßstabsangabe sowie eine graphische Maßstabsleiste angegeben. 

In der linken unteren Ecke befindet sich die Zeichenerklärung mit einer Farbtabelle der Baualter, die in sieben Perioden eingeteilt sind. Die Farben sind so gewählt, dass die einzelnen baulichen Epochen deutlich unterscheidbar sind:

  • Romanik u. Frühgotik (12., 13. Jh.)
  • Gotik (14., 15. Jh.)
  • Renaissance u. Frühbarock (16. u. 17. Jh. bis 1683)
  • Wiener Hochbarock (1683 bis 1770)
  • Josephinischer Klassizismus (um 1770 bis um 1800)
  • Empire u. Biedermeier (um 1800 bis um 1850)
  • Anfänge der Ringstraßenzeit (nach 1850)

Zusätzlich werden die seit 1857 abgebrochen Baulichkeiten dargestellt.

Die ältesten baulichen Teile der Inneren Stadt Wien reichen zurück in die Romanik des 12. Jahrhunderts und sind in Spuren noch in Sakralbauten zu finden, wie dem Stephansdom, der Michaelerkirche und der Ruprechtskirche. Ihr charakteristisches Aussehen stammt jedoch aus der Gotik. Die Hofburg mit den dazugehörigen Gebäuden stammt vorwiegend aus der Renaissance und dem Frühbarock (z.B. Leopoldinischer Trakt) und dem Wiener Hochbarock (z.B. rund um den Josefsplatz).

Am linken äußeren Kartenrand ist jenes Gebäude eingezeichnet in dem sich damals das Militärgeographische Institut, der Vorläufer des heutigen Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen – BEV, befand. Es wurde in den 1840er Jahren erbaut und ist durch einen am Dach befindlichen Globus leicht erkennbar. Bis 1982 befand sich das BEV an diesem Standort am Friedrich-Schmidt-Platz. Lesen Sie hier mehr zu den alten Standorten des BEV und die Übersiedlung in das Amtsgebäude Schiffamtsgasse. 

Historischer Kontext

Das Jahr 1857 bedeutet für die Baugeschichte der Stadt Wien eine Zäsur, denn sie leitet die sogenannte Ringstraßenzeit ein. Wenige Tage vor Weihnachten dieses Jahres unterschrieb Kaiser Franz Joseph I. ein Dekret, mit dem die Erweiterung der Inneren Stadt durch das Abtragen der Stadtmauern und Befestigungsanlagen sowie das Aufschütten der Gräben ermöglicht wurde. Damit begann die erste große Stadterweiterung, wodurch beispielsweise die Kaiser Franz Josephs Kaserne und die Infanteriekaserne sowie das Bürgerspitalzinshaus niedergerissen wurden.

Bis dahin war die Architektur der Stadt geprägt von den aus dem Mittelalter stammenden Stadtmauern, die während der beiden Türkenbelagerungen (1529 und 1683) die Verteidigung gewährleisteten. Außerhalb befand sich das Glacis, ein unverbautes Grünareal, auf deren Fläche teilweise die Ringstraße mit den bekanntesten Bauten entstand. Am ehemaligen Parade Platz befinden sich heute die Universität und das Rathaus mit dem Rathausplatz.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden die prächtigsten Bauten, die bis heute das Wiener Stadtbild prägen. Nachfolgend können nur einige Beispiele davon genannt werden.

Neue Bauten innerhalb der Ringstraße: Burgtheater, Neue Burg, Staatsoper, Palais Ephrussi.

Neue Bauten außerhalb der Ringstraße: Votivkirche, Künstlerhaus, Rathaus, Museum für angewandte Kunst (MAK), Kunsthistorische Museum, Naturhistorisches Museum, Palais Epstein, Parlament, Justizpalast, Volkstheater.

Titel: Plan der Inneren Stadt Wien
Herausgeber: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen
Maßstab: 1:4 000
Veröffentlichung: 1957
Format: 745 x 745 mm

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