Historische Karte des Monats: Jänner 01.01.2026 - Die ausgewählte Karte aus dem Archiv entführt in das Jahr 1905 und bietet einen Einblick in die Umgebung von Ephesos, mit besonderem Fokus auf die antiken Ruinen und deren Ausgrabungen.

Im Jänner 2026 stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen die Karte Umgebung von Ephesos im Maßstab
1:25 000 aus dem Jahr 1905 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung der Umgebung der antiken Stadt Ephesos mit den dazugehörigen Ausgrabungsstätten.

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Umgebung von Ephesos - Plan der antiken Ruinen und Ausgrabungen

Besonderheiten der Karte

Die antike Stadt Ephesos war ab circa 300 v. Chr. eine Küstenstadt, ursprünglich erbaut an der Mündung des Flusses Kleiner Mäander. In der Karte trägt dieser Fluss den türkischen Namen „Kütschük Menderes“ und den griechischen Namen „Kaystros“ (in roter Farbe geschrieben). Auf Grund von Sedimentablagerungen liegt die Stadt heute etwa sieben Kilometer entfernt im Landesinneren und der damalige Hafen ist dementsprechend verlandet. Im 14. Jahrhundert war Panormos der spätere Hafen der Stadt. Der einstige Küstenverlauf zur Zeit der Antike ist bei der Stadt Pygela (Phygela) eingezeichnet.

Besonders markant sind die in roter Farbe eingezeichneten Ausgrabungen und Ruinen der antiken Stadt Ephesos, welche dadurch sehr deutlich erkennbar und gut leserlich sind:

  • Der Tempel der Artemis (Artemision), eines der sieben Weltwunder der Antike, benannt als „Artemision Ruine“ im Ort „Ajasoluk“ (heute Selçuk)
  • Die Johannes Basilika und das byzantinische Kastell zeigen von der zeitlich späteren Bedeutung der Stadt
  • Am Hafen gelegen:
  • Die Agora, der zentrale Platz der Stadt 
  • Das Theater als „Odeon“ am Fuße des Panajir Dagh bezeichnet
  • Gymnasium, Stadion, Thermen, Stadttore
  • Aquädukte rund um die Stadt

Zusätzlich sind von Ephesos weiter entfernt gelegene Ruinen und Gräber sowie Aquädukte eingezeichnet.

Die topographische Karte zeigt die Hügellandschaft, das Sumpfgebiet nordwestlich von Ephesos und die Küstenlinie des „Golf von Scala Nova“. Obwohl die Höhenverhältnisse des Gebirges nur sehr gering sind, werden diese mittels des graphischen Gestaltungsmittels der Schummerung plastisch visualisiert. Zahlreiche Höhenangaben zeigen ein genaues Bild über die Höhenverhältnisse.

  • Die Zeichenerklärung ist sehr schlicht gehalten und enthält nur vier Elemente.
  • Die Äquidistanz (Abstand) der Höhenschichtlinien beträgt 20 m (eingezeichnet als durchgezogene Linie), die 100 m Höhenschichtlinie ist strichliert.
  • Interessanterweise sind auch für den thematischen Inhalt nicht erforderliche Informationen über die Vegetation (Feigenpflanzung, Gestrüpp) eingetragen.
  • Leider sind die Bedeutungen der verschiedenen Typen roter Linien (z.B. doppelt strichliert) nicht in der Zeichenerklärung erläutert.

Historischer Kontext

Die Karte „Umgebung von Ephesos“, die 1897 aufgenommen wurde und 1905 erschien, wurde in einer Zeit erstellt, in der die archäologischen Ausgrabungen in Ephesos bereits in vollem Gange waren. Besonders hervorzuheben ist der österreichische Archäologe Otto Benndorf, der die Ausgrabungen in Ephesos seit den späten 19. Jahrhundert leitete. 

Benndorf, der im Januar 1907 verstarb, trug maßgeblich zur Entdeckung und Dokumentation der antiken Stadt bei und führte wichtige Ausgrabungen durch, darunter die Restaurierung des Tempels der Artemis, eines der sieben Weltwunder der Antike und in der Karte als „Artemision Ruine“ im Ort „Ajasoluk“ eingezeichnet), sowie der Agora (südöstlich des Hafens eingezeichnet) und des Theaters von Ephesos (auf der Karte als „Odeon“ am Fuße des „Panajir Dagh“ eingezeichnet).

Die systematischen archäologischen Arbeiten, die Benndorf und sein Team unternahmen, trugen zur umfassenden Kartierung und Rekonstruktion der Stadt bei. Im Jahr 1897, als die Aufnahmen für diese Karte gemacht wurden, war die Stadt bereits im Fokus internationaler Forscher und galt als eines der wichtigsten archäologischen Projekte. Die Karte von 1897 und ihre Veröffentlichung 1905 sind somit nicht nur ein geographisches Dokument, sondern auch ein Spiegelbild der Zeit, als die antike Stadt Ephesos – mit Benndorf als treibende Kraft – zunehmend in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Welt rückte.

Über den Autor

K.u.k. Hauptmann Anton Schindler war nicht nur als einer der ersten österreichischen Kartographen in Ephesos tätig, sondern auch ein Pionier im Bereich der Fotografie archäologischer Stätten. Seine eigenen fotografischen Aufnahmen bildeten die Ausgangsbasis für die Anfertigung dieser Karte.

Titel: Umgebung von Ephesos
Herausgeber: k.u.k. Militärgeographisches Institut
Autor: Hauptmann A. Schindler
Maßstab: 1:25 000
Veröffentlichung: 1905
Format: 723 x 534 mm

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