Historische Karte des Monats: März 01.03.2026 Die ausgewählte Karte aus dem Archiv entführt in das Jahr 1842 und bietet einen Einblick in die Geologie Ägyptens.
Im März stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen die Karte „Geognostische Karte von Ägypten“ im Maßstab 1:1 450 000 aus dem Jahr 1842 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung von den geologischen Formationen Ägyptens von der Mittelmeerküste bis nach Assuan im Süden. Die Karte stammt aus dem Atlas „Reisen in Europa, Asien und Afrika“.
Besonderheiten der Karte
Die Reiserouten Russeggers mit dem Ausgangspunkt in Alexandria, die er während seines Aufenthalts in den Jahren 1836 bis 1838 absolvierte, sowie weitere Karawanenwege sind eingezeichnet. Eine besonders wichtige, durchaus auch lebensrettende Information für Reisende im 19. Jahrhundert durch die Wüsten Ägyptens sind die Karawanenstationen mit Brunnen.
Insgesamt sind zehn Gesteinsschichten in verschiedenen Farben eingezeichnet. Es sind kräftige Farbtöne, wodurch sie gut unterscheidbar sind. Erzhaltige Lagerstätten sind in Rot hervorgehoben. Der Verlauf des Nils und das Nildelta sind als Kulturlandschaft markiert.
In der linken unteren Ecke sind drei unterschiedliche Maßstäbe eingetragen: Deutsche Meilen, Geographische Meilen, „Karawannen Stunden“. Eine Karawanen-Stunde entspricht der Strecke, die eine Kamelkarawane in einer Stunde zurücklegt – etwa 3 bis 5 Kilometer. In der Entstehungszeit der Karte war es üblich, verschiedene Maßstabseinheiten anzugeben, weil es noch kein einheitliches Maßsystem gab. Im Jahr 1875 wurde die Meterkonvention unterzeichnet, mit der das metrische Maßsystem eingeführt wurde.
Für das Gradnetz wurde der damals übliche Nullmeridian von Ferro (17° 40‘ westliche Länge von Greenwich), der durch die kanarische Insel El Hierro verläuft, verwendet. Abgelöst wurde dieser durch den Meridian von Greenwich, der auf der Internationalen Meridiankonferenz im Jahr 1884 als internationaler Nullmeridian fixiert wurde.
Die Karte wurde mittels Farblithographie (mehrfarbiger Steindruck) hergestellt. Dies war das gängigste Flachdruckverfahren dieser Zeit.
Historischer Kontext
Der Aufstieg der Geologie als eigene Wissenschaftsdisziplin begann im 18. Jahrhundert. Im deutschsprachigen Raum wurden bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts häufig die Bezeichnung Geognosie (griechisch für „Kenntnis der Erde“) verwendet. Dementsprechend wurden geologische Karten meist als geognostische Karten bezeichnet.
Nur wenige Jahre nach Fertigstellung dieser Karte begannen konkrete Planungen für den Sueskanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet und 1869 eröffnet wurde. Die namengebende Stadt Sues befindet sich am nördlichen Ende des Meeresteils des Roten Meeres. Der Name „Rothes Meer“ wurde in der Karte nach den damals geltenden Schreibregeln mit „th“ geschrieben. Die südlichste Stadt ist Assuan, wo Ende des 19. Jahrhunderts der Bau einer Staumauer am Nil begann.
Über den Autor
Joseph Russegger (1802-1863) war Montangeologe und im Bergbauwesen tätig. Anfang 1836 begann auf Einladung der ägyptischen Regierung seine montanistische Forschungsreise in Ägypten. Insgesamt war er drei Jahre am afrikanischen Kontinent unterwegs, wo er auch andere Regionen (z.B. Sudan, Libyen, Halbinsel Sinai) bereiste. Auf seiner Rückreise durchquerte er mehrere europäische Staaten (z.B. Britische Inseln, Skandinavien, Frankreich). Über diese ausgedehnten Reisen verfasste er einen Bericht mit dem Titel „Reisen in Europa, Asien und Afrika (1835 bis 1841)“. Darin enthalten ist auch ein Atlas mit geographischen und geognostischen Karten, Gebirgsprofilen, Landschaften sowie Abbildungen aus dem Gebiet der Flora und Fauna. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde er zum Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften (heute: Österreichische Akademie der Wissenschaften) ernannt.
Titel: Geognostische Karte von Ägypten
Herausgeber: E. Schweizerbart’sche Buchhandlung in Stuttgart
Autor: Joseph Rufsegger
Maßstab: 1:1 450 000
Veröffentlichung: 1842
Format: 519 x 721 mm
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