Historische Karte des Monats: Juli 01.07.2026 - Die ausgewählte Karte aus dem Archiv entführt in das Jahr 1866 und bietet eine detailreiche Darstellung von Nord- und Mittelitalien mit dem damals noch eigenständigen Kirchenstaat.
Im Juli stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen die „Karte von Nord- und Mittel-Italien“ im Maßstab 1:1 728 000 aus dem Jahr 1866 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung von Nord- und Mittelitalien mit dem damals noch eigenständigen Kirchenstaat.
Besonderheiten der Karte
Das Kartenblatt zeigt die nord- und mittelitalienische Staatenwelt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die in Rot eingezeichnete Grenze Italiens unterscheidet sich deutlich von den Grenzen zu den jeweiligen Nachbarstaaten, die farblich unterschiedlich dargestellt sind.
In der rechten oberen Kartenecke befindet sich die Kartenkatusche mit dem Titel „Italia settentrionale e centrale“. Darüber hinaus sind der italienische Kartograph Carlo Cerri genannt sowie der Verlag Artaria mit Ortsangabe Wien und das Erscheinungsjahr. Oberhalb der eigentlichen Karte steht der Titel in deutscher Sprache.
Als Nullmeridian wird der Meridian von Paris verwendet, der bereits 1667 fixiert wurde, 200 Jahre vor der Entstehung dieses Kartenblattes. Abgelöst wurde er vom Meridian von Greenwich, der auf der Internationalen Meridiankonferenz von 1884 als internationaler Nullmeridian bestimmt wurde.
Zusätzlich zur numerischen Maßstabsangabe sind drei graphische Maßstabsleisten eingezeichnet, in italienischen, französischen und deutschen Meilen. Dies unterstreicht die internationale Verwendbarkeit der Karte.
Die ausschließlich in italienischer Sprache geschriebene Zeichenerklärung umfasst vier Gruppen von Städten („città“) gegliedert nach Einwohnergrößen, zusätzlich Bezirkshauptstädte und sonstige Siedlungen. Weitere Informationen bieten Befestigungsanlagen, Ruinen, Mineralbäder, Seebäder und Poststationen dargestellt mittels Signaturen ebenso wie Verkehrswege (Straßen) in verschiedenen Kategorien unterteilt sind. Die Gebirgslandschaft wird mittels Schraffendarstellung visualisiert. Höhenangaben kommen nur vereinzelt vor und sind in Pariser Meilen angegeben.
Historischer Kontext
Die Entstehungszeit dieser Karte liegt in der Endphase des Risorgimento (1815-1870), ein Abschnitt der italienischen Geschichte, dessen Ursprung auf den Wiener Kongress (1814/15) zurückzuführen ist. Ziel war es, die bis dahin eigenständigen Gebiete der Apenninenhalbinsel zu einem Nationalstaat zu vereinigen. Im Jahr 1861 wurde das Königreich Italien als konstitutionelle Monarchie geschaffen und Viktor Emanuel II. zum ersten italienischen König ausgerufen. 1870 wurde der seit dem Jahr 756 bestehende Kirchenstaat unter seiner Regentschaft annektiert. Im darauffolgenden Jahr wurde die bisherige italienische Hauptstadt Florenz von Rom abgelöst.
Im Zuge des dritten italienischen Unabhängigkeitskrieges, der zwischen dem Habsburgerreich und dem neu entstandenen italienischen Königreich geführt wurde, ereignete sich am 20. Juli 1866 die Schlacht von Lissa zwischen dem Königreich Italien und Österreich-Ungarn. Die damals unter habsburgischer Herrschaft stehende Insel Lissa, heute Vis, liegt ca. 55 Kilometer südwestlich von Split. Letztendlich fiel das habsburgische Venetien an das Königreich Italien.
Über den Autor
Carlo Cerri war ein italienischer Kartograph, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Karten schuf. In den Jahren 1852/1859 fertige er bereits eine Straßen- und Postroutenkarte der gesamten Apenninenhalbinsel an, die die zersplitterte italienische Staatenwelt besonders zur Geltung kommen ließ.
Über den Verlag
Der von der italienischen Familie Artaria 1765 gegründete Verlag hatte ursprünglich seinen Sitz in Mainz. Fünf Jahre später entstand in Wien die Kunsthandlung „Artaria & Comp.“, nur wenige Jahre danach folgte am gleichen Ort die Erweiterung des Repertoires in Form eines Musikverlags. Der Schwerpunkt des Verlagshauses änderte sich ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Richtung Landkartenvertrieb. Bedeutende Kartographen wie Joseph von Scheda oder Anton Steinhauser waren dort tätig. Es wurden auch Karten in Kooperation mit dem Militärgeographischen Institut herausgebracht. Im Jahre 1920 erfolgte die Fusion mit Freytag-Berndt.
Titel: Karte von Nord- und Mittel-Italien
Herausgeber: Artaria & Comp.
Autor: Carlo Cerri
Maßstab: 1:1 728 000
Veröffentlichung: 1866
Format: 651 x 452 mm
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