Geodäsie-Konferenzen in Schweden: BEV mittendrin 15.10.2026 - Das GGOS-Koordinierungsbüro im Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen – BEV hat zwei internationale Geodäsie-Konferenzen in Schweden mitorganisiert. Im Mittelpunkt standen die Früherkennung von Naturgefahren und neue Wege, geodätische Daten und das Fach einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Wie lässt sich die Erde genau und dauerhaft vermessen? Und wie helfen diese Daten, Naturgefahren früh zu erkennen? Darüber tauschten sich Anfang Oktober Hunderte Geodätinnen und Geodäten aus aller Welt in Gävle aus. Eingeladen hatte das „Global Geodetic Observing System“ (GGOS – Globales Geodätisches Beobachtungssystem) der International Association of Geodesy (IAG – Internationale Assoziation für Geodäsie). Organisiert hat die beiden Konferenzen das GGOS-Koordinierungsbüro im BEV, gemeinsam mit der schwedischen Vermessungsbehörde Lantmäteriet als Gastgeberin.

Naturgefahren aus dem All beobachten

Den Auftakt machte am 2. Oktober 2026 das „GGOS Topical Meeting on Geohazards“, ein Fachtreffen zu Naturgefahren. 120 Personen nahmen teil, 53 vor Ort und 67 online. GGOS überwacht Naturgefahren bereits mit Tsunami-Frühwarnsystemen, die auf dem Global Navigation Satellite System (GNSS – globales Satellitennavigationssystem) basieren. Ziel des Treffens war es, diese Überwachung auszuweiten und Forschungsergebnisse in dauerhaft nutzbare Dienste zu überführen.

Im Fokus stand InSAR (Interferometric Synthetic Aperture Radar – interferometrisches Radar mit synthetischer Apertur). Das Verfahren vergleicht Radaraufnahmen von Satelliten aus verschiedenen Zeitpunkten. So werden Bodenbewegungen im Millimeter- bis Zentimeterbereich sichtbar, großflächig und ohne Messgeräte vor Ort. Die Beispiele reichten von Vulkanen und Hangbewegungen über Bodenabsenkungen in Städten und Bergbaugebieten bis zu nationalen und europäischen Diensten wie dem „European Ground Motion Service“ (Europäischer Bodenbewegungsdienst).

InSAR und GNSS ergänzen sich

Ein zentrales Ergebnis: Die Kombination von InSAR und GNSS bringt bei der Überwachung von Naturgefahren großen Mehrwert. InSAR liefert Informationen über große Flächen. GNSS ergänzt sie mit präzisen, laufenden Messungen an einzelnen Punkten und stellt den Bezug zu einem stabilen Referenzsystem her. Das BEV kann diese Verfahren auch in Österreich einsetzen, um Bodenbewegungen zu beobachten, und sie mit seinem GNSS-Referenzstationsnetz verknüpfen.

GGOS Days 2026: Neuigkeiten aus der Geodäsie

Von 5. bis 7. Oktober 2026 folgten die „GGOS Days 2026“. Die jährliche Konferenz ist zugleich das Treffen der GGOS-Mitglieder, steht aber allen Interessierten offen. 230 Personen nahmen teil, 55 vor Ort und 175 online.

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GGOS Days 2026 in Gävle. Foto: © GGOS

Geodäsie sichtbar machen: Zahlreiche neue Projekte bringen das Fach einer breiten Öffentlichkeit näher. Dazu zählen die „Geodesy Cartoons“, die geodätische Themen anschaulich und mit Humor erklären, ein neuer Kurzfilm über die Gravitation sowie neue Informationsbroschüren. Die Materialien eignen sich für Schulen, Medien und alle, die sich für die Vermessung der Erde interessieren. Das BEV hat sie maßgeblich mitgestaltet.

Geodätische Daten leichter finden: Das im BEV entwickelte „GGOS Portal“ ist als Pilotversion unter data.geodesy.science online. Es bündelt geodätische Daten, Produkte und Dienste der IAG und weiterer Anbieter an einer zentralen Stelle. Das macht sie für Forschung und Praxis leichter auffindbar.

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Das GGOS Portal ist die zentrale Plattform für die Suche nach geodätischen Daten und Produkten. Foto: © GGOS

Geodäsie in Afrika stärken: Seit September 2026 ist „GGOS Afrika“ neues assoziiertes Mitglied („Affiliate“) von GGOS. Die Initiative soll die geodätische Infrastruktur, Forschung und Zusammenarbeit in Afrika ausbauen und die Region stärker in das globale Beobachtungssystem einbinden. Bei den GGOS Days stellte sie sich der internationalen Fachwelt vor.

Dipl.-Ing. Martin Sehnal, Leiter des GGOS-Koordinierungsbüros im BEV, zieht Bilanz: „Eine Person, eine Organisation oder ein Land allein kann in der weltweiten Geodäsie wenig erreichen. Erst durch die geodätische Gemeinschaft, ihren Enthusiasmus und ihre gegenseitige Unterstützung entsteht etwas Großes. Das haben diese GGOS-Events in Schweden wieder einmal deutlich gezeigt.“

Internationale Rolle des BEV

Seit zehn Jahren leitet das BEV das GGOS-Koordinierungsbüro, seit zwei Jahren führt es zudem das Sekretariat der IAG. In dieser Zeit hat es die internationale Zusammenarbeit in der Geodäsie wesentlich mitgestaltet. Neben seinen technischen Beiträgen unterstützt das BEV damit die „Global Geodesy Supply Chain“ (GGSC – globale geodätische Lieferkette). Gemeint ist der gesamte Weg geodätischer Daten: von der Beobachtung über Analyse und Produkte bis zur Nutzung.

Davon profitiert auch Österreich. Eine starke globale Lieferkette sichert die Grundlagen für präzise Positionsbestimmung, Referenzsysteme und Anwendungen wie die Überwachung von Bodenbewegungen. Das stärkt österreichische Anwendungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Mit dem GGOS Portal und den neuen Informationsmaterialien hat das BEV in Gävle Entwicklungen vorgestellt, die auf großes Interesse stießen.