Historische Karte des Monats: November 01.11.2026 - Die ausgewählte Karte aus dem Archiv entführt in das Jahr 1948 und bietet einen Einblick in die administrative Einteilung der Stadt Wien.

Im November stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen – BEV die Karte „Plan von Wien“ im Maßstab 1:15 000 aus dem Jahr 1948 vor. Die Karte zeigt eine detailreiche Darstellung der Stadt Wien kurz nach dem 2. Weltkrieg in seiner damaligen administrativen Einteilung mit 26 Bezirken.

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Besonderheiten der Karte

Die Karte zeigt dem Maßstab entsprechend alle für einen Stadtplan typischen Elemente. Als Kennzeichen für diesen Kartentyp gelten Straßennamen. Öffentliche Gebäude, wie städtische Einrichtungen, Behörden, Ämter, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Bäder sowie Museen, sind mittels roter Farbe gekennzeichnet und stechen so gut hervor. Das Schulwesen ist besonders detailliert aufgelistet, denn fünf verschiedene Schultypen sind mittels Abkürzungen erkennbar.

Zu den markantesten baulichen Unterschieden zum heutigen Wien zählen der Nordwestbahnhof und der Nordbahnhof, die in dieser Form heute nicht mehr existieren. Heute gibt es keinen Bahnhofsbetrieb mehr, stattdessen entstehen dort neue Stadtteile. Für den Autoverkehr gab es nur zwei Donauquerungen (heute Floridsdorfer Brücke und Reichsbrücke). Das Areal vom Zentral Viehmarkt St. Marx hat heute ein anderes architektonisches Erscheinungsbild mit grundverschiedenen Funktionen. Anstelle der Donauinsel, einer der heute bekanntesten und größten Teile Wiens, existierte damals das sogenannte Überschwemmungsgebiet.

In unmittelbarer Nähe des Rathauses ist das damalige Gebäude des BEV eingezeichnet, das bis 1982 seinen Standort am Friedrich-Schmidt-Platz 3 hatte.

In der Zeichenerklärung, unterhalb des Maßstabs 1:15 000, auch mittels graphischer Maßstabsleiste angegeben, sind die damaligen 26 Bezirke Wiens namentlich aufgelistet. Auf dem Kartenausschnitt nicht dargestellt sind die heute nicht mehr zu Wien gehörenden Bezirke im Süden XXIII. Schwechat und XXIV. Mödling, sowie im Norden XXVI. Klosterneuburg. Liesing hatte die Nummer XXV. Ebenso außerhalb des Kartenfeldes liegen die nördlich gelegenen Hausberge Wiens, Kahlenberg und Leopoldsberg.

In der linken oberen Ecke befindet sich eine Einsatzkarte, die den I. Bezirk Innere Stadt im Maßstab 1:10 000 darstellt. Diese bietet sich zum Vergleich mit der Historischen Karte des Monats September an, die die innere Stadt von Wien aus dem Jahre 1857 zeigt. Die markanteste Änderung in diesen knapp 100 Jahren war der Bau der Ringstraße mit zahlreichen bis heute erhaltenen Prachtbauten.

Historischer Kontext

Das Bundesland Wien wurde mit 1. Jänner 1922 mit 21 Bezirken aus dem Bundesland Niederösterreich ausgegliedert und somit eigenständig. Seither gab es mehrere Änderungen hinsichtlich seiner Größe. Im Oktober 1938 wurde Groß-Wien geschaffen, erweitert um 97 niederösterreichische Gemeinden, die die Bezirke 23 bis 26 bildeten. Bei den bereits bestehenden 21 Bezirken kam es wechselseitig zu Gebietsänderungen, z.B. der 19. Bezirk Döbling erhielt Teile des 18. Bezirks Währing, der 21. Bezirk Floridsdorf wurde geteilt und dadurch entstand neu der 22. Bezirk Groß-Enzersdorf (heute Donaustadt, flächenmäßig größter Bezirk).

Bereits Mitte 1946 wurde entschieden 80 Gemeinden wieder an Niederösterreich zurückzugeben. Aufgrund des Vetos der Besatzungsmächte wurde dieses Gesetz nicht vollzogen, weil dies zu Änderungen bei der Grenzziehung der Besatzungszonen geführt hätte.  Erst acht Jahre später, im Juli 1954 wurde ein Gesetz zur Einteilung der Bezirke erlassen, das die 23 Bezirke in der heutigen Form entstehen ließ. Der XXIII. Schwechat wurde komplett aufgelöst und die Bezirksnummer für den neuen Bezirk Liesing verwendet. Die restlichen 17 bei Wien verbliebenen Gemeinden wurden zum 23. Bezirk Liesing. Der XXIV. Mödling wurde komplett an Niederösterreich zurückgegeben.


Titel: Plan von Wien
Herausgeber: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen
Maßstab: 1:15 000
Veröffentlichung: 1948
Format: 1092 x 833 mm

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